Für mich als Designer ist die Visualisierung eines Entwurfes natürlich unheimlich wichtig. Dadurch kann nicht nur ich mir eine bessere Vorstellung vom neuen Produkt machen, sondern diese Vorstellung auch transportieren. Sprich das neue Produktdesign dem Auftraggeber präsentieren.
Wie dies funktioniert möchte ich ihnen heute am Kunstprojekt Fiat Lux zeigen.

Das Kunstprojekt Fiat Lux

Über die Diskussion ob Fiat Lux ein Kunstprojekt oder ein Designprojekt ist, sind wir uns mittlerweile einig. Auch ein Detail spricht absolut für ein Kunstprojekt. Was ich damit meine – Geheimhaltungserklärungen.
Am Anfang steht die Geheimhaltungserklärung!

Ein ganz normales Designprojekt gestaltet sich so, dass wir zuerst mit der Rechtsabteilung einer Firma verhandeln müssen. Rechtsabteilung ? Ja zuerst müssen wir eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Diese listet auf zahllosen Seiten auf, was wir dürfen und was wir gefälligst zu unterlassen haben. Das geht so weit, dass auch nach Abschluss eines Designprojektes und nach Serieneinführung des Produktes, wir teilweise noch immer nicht sagen dürfen, dass wir die Schöpfer des Produktdesigns sind.
Erst wenn wir diese Geheimhaltungserklärung unterzeichnet haben, erfahren wir um welche Arbeit um welches neues Produkt es eigentlich geht.
Also, liebe Designstudenten, passt beim Rechtsunterricht besonders gut auf. Es ist der erste Schritt zum Designauftrag. 🙂

Hier zeigt sich ebenfalls der wohltuende Unterschied zum Fiat Lux Projekt. Bereits in der Entwurfsphase dürfen und können wir darüber in der Öffentlichkeit berichten. Eine absolut schöne Abwechslung. Darum darf, kann und möchte ich Ihnen hier zeigen, wie so eine Visualisierung zum realistischen Foto statt findet.

Basis ist das 3D Modell

Die Basis des Fotos ist das 3D Modell. Dieses 3D Modell kann man im virtuellen Raum drehen und wenden wie man es möchte. Im normalen Bearbeitungsmodus ist dieses Modell jedoch nicht perspektivisch. Dies fällt garantiert jedem auf. Eventuell nicht bewusst, jedoch unbewusst fragt man beim betrachten „was stimmt da nicht?“.
Also ist der erste Schritt einmal die richtige Kameraperspektive einzustellen. Jeder Hobbyfotograf wird dabei feuchte Augen bekommen. Braucht man dazu auch Objektivbrennweiten, wie bei einem realen Fotoapparat. Das schöne daran ist jedoch, sie können eine beliebige Brennweite eingeben. Ohne dass sie sich ein neues Objektiv kaufen müssen. Die Möglichkeiten sind dabei fast unbegrenzt. Wir stellen einmal ein 80mm Objektiv ein. Damit werden die Fluchtlinien nicht zu stark verzerrt. Das Produkt erscheint dadurch sehr realistisch.

Hier eine sehr starke Perspektive, um den Unterschied besser darzustellen

Hier eine sehr starke Perspektive, um den Unterschied besser darzustellen

Und weiter geht es mit der

Einstellung des Materials

Auswahl von Metallen

Auswahl von Metallen

Auch da gibt es vordefinierte Materialien. Von Holzoberflächen bis hin zu Titan ist alles vorhanden. Da wir „nur“ ein optisches Bild möchten und keine Festigkeitsberechnung benötigen stellen wir einen ABS Kunststoff mit matter Oberfläche ein. Ach ja, die Farbe soll schwarz sein. Jetzt haben wir fast alles, es fehlt aber noch die

Einstellung von Licht und Schatten

Beleuchtung wie in einem großen Fotostudio

Beleuchtung wie in einem großen Fotostudio

Wie sagt man so schön, Fotografieren ist Malen mit Licht. Ok, wir benötigen auch noch Licht. Und damit es besonders schön und realistisch wird auch Schatten. Licht ohne Schatten ist nicht möglich. Außer im Renderprogramm. Dort könnten wir auch Lichtquellen einstellen, die keinen Schatten werfen. Wofür man das benötigt würde aber diesen Bericht sprengen.

Eine Bühne muss her

Eine Auswahl von voreingestellten Bühnen

Eine Auswahl von voreingestellten Bühnen

Und damit unser Entwurf eine entsprechende Umgebung hat, verwenden wir eine Bühne. Dies ist eigentlich nur der Oberbegriff für eine Zusammenstellung von Untergrund, Hintergrund Licht und Schatten. Aber diese Bühnen sind bereits vordefiniert und damit kommt man schneller zu brauchbaren Ergebnissen. Übrigens, damit das Bild noch etwas realistischer wird, spiegeln sich Hintergrund und Umgebung im 3D Modell. Besonders stark merkt man dies, wenn eine hochglänzendes Material eingestellt ist.

Fertig!

Nur noch einen Klick vom Ergebnis entfernt.

Nun können wir eine Vorschau des Bildes erstellen. Fotorealistisches Rendering ist eine rechenintensive Arbeit. Und damit man nicht ständig auf ein Bild warten muss, gibt es eine Vorschaueinstellung. Die nutzen wir um die gemachten Einstellungen zu begutachten.
Und …..
Wie üblich, mit den ersten Einstellungen ist man nicht zufrieden. Also weiter an den Feineinstellungen schrauben und probieren. Mit einiger Übung bekommt man das aber schon hin.

Rendern des 3D Modells. Hier sieht man die 8 prozessoren die daran arbeiten

Rendern des 3D Modells. Hier sieht man die 8 prozessoren die daran arbeiten

Wenn alles stimmt macht man noch das finale Bild. Dieses wird in einer besseren Qualität und in einer höheren Auflösung gerechnet. Je nach Umfang des Modells und nach Anzahl der Lichtquellen und Schattenqualität kann dies schon auch einmal 2-3 Stunden benötigen. Unser Modell vom Fiat Lux ist jedoch viel einfacher und somit in 2 Minuten fertig. Ging doch schnell, oder?

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Unser Modell vom Aufbau wurde genau in der Perspektive gerechnet, die wir auch für das Foto vom echten Spielzeugauto verwendet haben.
Dadurch können wir in einem weiteren Schritt das echte Foto vom Spielzeugauto und unser virtuelles Modell „zusammenbauen“. Und noch schnell die neuen Räder fotografiert und ebenfalls in der richtigen Perspektive mit dem anderen Teil „zusammenbauen“. Diese Technik nennt man Composing und sie wird in einem Bildbearbeitungsprogramm gemacht.
Und ja, die Bildschirmanzeige benötigen wir auch noch. Also die Augen und das Gesicht zeichnen, als Foto in das 3D Programm einlesen, positionieren, die richtige Größe einstellen und schon wird es mit gerendert.
Alles kein Problem – oder?

 

Ein Kunstprojekt von Martin Krusche, Ewald Ulrich und Willi Gangl/AlfredUrleb.

 

By | 2019-02-11T13:30:58+00:00 August 19th, 2015|Design, WiGL-Design|0 Comments

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