Nachdem wir die Designgrundidee, vom Fiat 500 zum selbstfahrenden Auto festgelegt haben, finden wir auch die Aussage von Martin Krusche sehr passend. Er bezeichnet das Projekt auch als „Das geschwätzige Auto“.
Für uns ist dies die Kommunikation des Autos mit dem Passagier. Und selbstfahrende Autos werden in Zukunft sehr stark mit dem Passagier kommunizieren müssen. Zumindest was das Fahrziel angeht.

Zusammenfassung:

In diesem Bericht zeige ich ihnen die Herangehensweise an das Kunst-Designprojekt. Die ersten Schritte die notwendig sind, damit aus einer Idee, die vorerst nur im Kopf vorhanden ist, auch eine Idee wird die man „herzeigen“ kann.

C60 Buckyball

Die Bezugspunkte des „Idealen Stromlinienkörpers“ wie ihn Martin Krusche erklärt, ist mir im Bezug auf das Fiat Lux Projekt klar. Natürlich sollen Autos generell wenig Luftwiderstand haben, damit sie wirtschaftlich betrieben werden können.
Und so haben wir symbolisch unseren Fiat 500 zuerst einmal in einen echten Buckyball verwandelt. Sechseckige Moleküle, die einen unvergleichlich guten, niedrigen Luftwiderstand haben. Auch wenn diese Erklärung, rein wissenschaftlich kaum zu halten ist, hat sie doch Charme. Genauso wie sich aus den anfangs sehr groben Molekülen, langsam in immer feineren Stufen der Fiat 500 herausschält, genauso wird auch unser Produktdesign wachsen. Aus groben Umrissen werden immer genauere Konturen werden.

 

Grobe Überlegungen

Grobe Überlegungen

Verfeinerung der Überlegungen

Verfeinerung der Überlegungen

Ausarbeitung der Details

Ausarbeitung der Details

Entwurf

Entwurf

Vorarbeiten sind für jedes Produktdesign notwendig

Wie bei jedem Produktdesign muss auch hier bei diesem Projekt eine Basis für die Arbeit erarbeitet werden. Bei kundenbezogenen Designaufträgen wird diese Arbeit in einem Pflichtenheft festgelegt. Dort kommt zum Beispiel hinein, ob das Produkt und wenn ja, wie das Produkt mit anderen Teilen zusammenpassen muss.
Die Basis in diesem Kunst- Produktdesign Projekt ist das Spielzeugauto des Fiat 500. Das Auto hat Ewald Ulrich besorgt und er hat auch gleich noch eine schwierige Aufgabe dazu mitübernommen. Die Räder sollen durch Gleittrollen ersetzt werden!
Mittlerweile hat er auch die besorgt und uns ein Musterrad überlassen. Und da wir Termine haben auch gleich darum gebeten, möglichst schnell unsere Arbeit zu erledigen, damit er das Spielzeugauto umbauen kann. Es soll ja alles fertig werden!

Das von Ewald Ulrich organisierte omnidirectionale Rad

Das von Ewald Ulrich organisierte omnidirectionale Rad

Ziemlich komplexe Sache. Freue mich schon auf die Realisierung.

Eine echte Herausforderung! Wenn alles fertig ist, soll Fiat Lux in alle Richtungen fahren können. Dies soll durch diese Räder bewerkstelligt werden. Und Ewald braucht für seine Arbeit das Auto. Also los, wir müssen anfangen und zu einem Ergebnis kommen. Die Zeit drängt!
Zurück zur Designaufgabe:
Die Basis der Designarbeit ist dieses Spielzeugauto. Darauf soll das neue Design aufgebaut werden.
Also müssen wir, wie bei jedem Projekt, zuerst einmal die Grundform abnehmen. So genau, dass das neue Design bei den Verbindungsflächen mit dem bestehenden Produkt zusammenpasst.
Darum wird das bestehende Produkt zuerst so genau wie notwendig digitalisiert. So genau wie notwendig ist in diesem Fall ein Foto. Es wird durchaus für die weitere Arbeit reichen und ist schnell gemacht.
Bei kommerziellen Designaufträgen verwendet man dafür 3D Modelle, die direkt in das Designprogramm übernommen werden können, oder man macht einen 3D Scann. Das Ergebnis davon ist eine Punktwolke, die ebenfalls für die weitere Arbeit verwendet werden kann.
Um die perspektivische Verzerrung so gering wie möglich zu halten, steigt Willi auf unseren Büroschrank und macht freihändig eine Aufnahme. Möglichst im rechten Winkel zum Auto, von oben. Danach geht es mit Fiat Lux an unseren Besprechungstisch und er wird nochmals von der Seite, vorne und hinten abgelichtet. Diese Bilder werden als Basis für den weiteren Designentwurf verwendet.

Voller Einsatz, Willi Gangl beim digitalisieren des Fiat Lux

Voller Einsatz, Willi Gangl beim digitalisieren des Fiat Lux

Das Auto wird von allen Seiten abgelichtet

Das Auto wird von allen Seiten abgelichtet

Das Spielzeugauto wird zerlegt, Alfred Urleb beim zerlegen.

Das Spielzeugauto wird zerlegt, Alfred Urleb beim zerlegen.

 

Die ersten Linien entstehen

Produktdesign entsteht im Kopf. Wie bei jedem kreativen Prozess entsteht alles zuerst im Kopf. Danach bringt man es auf das Papier. Geschah dies bis vor einigen Jahren noch auf einem Reißbrett, so hat der PC das Reißbrett mittlerweile abgelöst. Zumindest bei der Designarbeit.
Das Produktdesign entsteht im Kopf, die Visualisierung erfolgt jedoch am PC!
Also werden die Bilder in das Designprogramm eingespielt und als Basis für die Arbeit als Unterlage verwendet. Danach misst man das Produkt ab und skaliert das Bild so lange bis es genau mit dem Zeichenmaßstab zusammenpasst. Und siehe da, die Perspektive ist noch immer zu groß!
Also nochmals Bilder von oben machen, dieses Mal jedoch aus dem ersten Stock nach unten. Da ist die Perspektive kleiner und das Bild kann nun wirklich verwendet werden.
Und damit wir auch die richtige Kontur abnehmen, demontieren wir vorsichtshalber das Armaturenbrett, die Lenkung und das Verdeck. Ist bei so einem kleinen Auto auch nicht das Problem.
Überrascht sind wir, als wir merken, dass das Lenkrad über eine elektrische Leitung auf die Lenkgeometrie eingreift. Also ein durchaus fortschrittlicher Fiat 500. 🙂

Nach diesen Anfangsproblemen, die eigentlich Alltag sind, geht es aber richtig los.
Die Schnittflächen mit dem bestehenden Auto werden gezeichnet und die grobe Kontur des Designs erstellt.

 

In meinem nächsten Bericht möchte ich Ihnen zeigen, wie wir neue Produktdesign visualisieren und welche Schritte dazu notwendig sind.

By | 2019-02-11T13:31:00+00:00 Mai 26th, 2015|Design, WiGL-Design|2 Comments

2 Comments

  1. martin krusche 11. Juni 2015 at 19:23

    ihr habt euch im ersten projekt-feature noch ziemlich zurückhaltend geäußert, wo man eventuell fragt, was denn das nun sei.

    das finde ich sehr entgegenkommend, weil es mir zeigt, daß ihr in fragen der definitionsmacht nicht zu den sturmtruppen gehört, die gleich alles niederrennen, um platz für die eigene position zu schaffen.

    ich finds ja auch sehr spannend, daß wir uns praktisch noch gar nicht kennen, aber schon im projekt unterwegs sind.

    sowas hatte ich zuletzt, als ich gemeinsam mit dem kulturwissenschafter matthias marschik ein buch über den steyr-puch 500 schrieb. wir sind uns rund ein halbes jahr nach erscheinen des buches zum ersten mal real begegnet, davor noch nie.

    daher weiß ich: sowas geht.

    ich mag natürlich diese pose des einsamen helden, der sich in das rad der geschichte wirft, um auf den lauf der welt einfluß zu nehmen. diese art poeten-pose hat sich in meinen jungen jahren vorzüglich inszenieren lassen.

    wer zufällig über epochale genialität verfügt, kann so eine pausennummer einer romantischen boheme sicher noch heute ausbauen.

    schwank beiseite, ich bin gerne über strecken alleine, in der stille, mit meinen gedanken und möglichkeien befaßt. wir kennen diesen zustand: flow. wenn es gut läuft…

    aber in jedem der welt zugewandten moment finde ich kollektive kunstpraxis viel aufregender. und wenn wir es genau betrachten, gibt es vermutlich gar nichts anderes als kollektive kunstpraxis.

    🙂
    martin

  2. martin krusche 11. Juni 2015 at 19:26

    weiters… ich hab vorhin notiert: und wenn wir es genau betrachten, gibt es vermutlich gar nichts anderes als kollektive kunstpraxis.

    was immer einem gelingt, auch in der einsamkeit singulärer exzellenz, ruht ja doch auf den vorleistungen anderer.

    es muß schon etwas dagewesen sein, damit wir a) prägende wahrnehmungserfahrungen machen, die wir b) in einen kunstkontext stellen, um c) eine idee von künstlerischer praxis zu entwickeln.

    das ist doch leicht zu verstehn; oder?

    wenn ich also auch selbst als schöpfer eines werkes wahrgenommen werden möchte und wenn urheber- wie nutzungsrechte einen guten formalen zusammenhang bilden, um meinen marktwert zu definieren, da ich rechnungen zu bezahlen hab, hat diese ego-nummer letztlich recht enge grenzen.

    ich bin zu antiquiert, um dieses ego-konzept suspendieren zu wollen. aber ich bin zu unternehmungslustig, um auf die optionen kollektiver kunstpraxis zu verzichten.

    da wir uns hier auf dem feld des symbolischen denkens bewegen und dabei auch fragen nach der definitionshoheit auftauchen, genieße ich natürlich der vorteil, daß ich jetzt schon sehr viel an deifinition in unserem vohaben auf den tisch wuchten durfte.

    ich krieg eine zunehmend klarere vorstellung, welche größere ganze geschichte sich da entfalten will.

    🙂
    martin

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